Männer bringen Vielfalt in die Krippe

04.10.2017

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Patrick, Kevin und Bernhard (von links)

Bernhard Jensen (30), Patrick Tiltmann (28) und Kevin Ilsemann (26) sind Kollegen. So weit, so normal. Doch im Grunde sind sie „Exoten“, denn sie zählen zu den bundesweit nicht einmal 11.000 männlichen Fachkräften in Kindertagesstätten (siehe Infobox) – das sind nicht einmal drei Prozent. Das Besondere: Sie arbeiten sogar in der gleichen Einrichtung, in Charly’s Kinderparadies Osnabrück im Stadtteil Schölerberg.

Sechs Jahre lang war Bernhard Jensen sozusagen „Einzelkämpfer“ im zehnköpfigen Team der Krippe. „Es war und ist aber immer meine Meinung als pädagogische Fachkraft gefragt, nicht speziell aus Sicht eines Mannes“, betont er. Dennoch sind sich alle drei einig, „dass wir schon auf manche Dinge anders gucken als unsere Kolleginnen. Wir bringen so auch eine gewisse Vielfalt in die Krippe.“

Männer sind in Krippen, Kindergärten und auch in Grundschulen rar gesät. Dabei spielen sie als Bezugsperson eine wichtige Rolle in jungen Jahren. „Allein schon aufgrund der Stimme oder Größe nehmen sie uns anders wahr als unsere Kolleginnen“, meint Kevin. Eine „traditionelle Aufgabenverteilung“ gibt es im Team aber nicht. Selbstverständlich packen sie sofort an, wenn schwere Sachen getragen werden müssen. Und die drei sind von Natur aus sportbegeistert und toben ausgelassen mit den Kindern. Bewegung ist schließlich auch ein Markenzeichen der Krippe, die vom Niedersächsischen Turnerbund als so genannte „Bewegungskita“ ausgezeichnet worden ist.

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind es vor allem die mangelnde soziale Anerkennung („Frauenberuf“) und die geringe Entlohnung im Vergleich zu „Männerberufen“, die die Männer davon abhalten, diesen Beruf auszuüben. Vorurteile, die keiner von ihnen bestätigen kann. „Ich war vorher Koch und verdiene jetzt besser. Meine Freunde finden es cool. Viele glauben, dass sie das nicht könnten und haben Respekt vor der Arbeit in der Krippe“, sagt Kevin. Er ist Sozialassistent und macht eine duale Ausbildung zum Erzieher in der Abendschule. Auch Patrick hat nur positive Rückmeldungen bekommen. Er betont: „Das Wichtigste ist doch, dass die Arbeit Spaß macht.“ Und Bernhard ergänzt: „Ich arbeite gerne in der Krippe, weil es spannend zu sehen ist, wie die Kinder jeden Tag Fortschritte machen und Neues entdecken.“

Männer in Krippen – ein Thema, das bundesweit unter Eltern nicht unumstritten ist. Es ist der unterschwellige „Generalverdacht“ der Pädophilie, der den Erziehern den Alltag erschweren kann. Einen garantierten Schutz davor, Opfer pauschaler Verdächtigungen zu werden, gibt es nicht. „Das hat hier aber noch nie eine Rolle gespielt“, versichert Bernhard. „Wir haben hier immer alles und alle im Blick. Unser Vorteil ist, dass wir zwei kleine Gruppen mit jeweils 15 Kindern haben.“ Leiterin Regine Schneider räumt zwar ein, dass manche Kolleginnen anfangs skeptisch waren. Doch Bernhard habe mit seinem Wesen und seinem Engagement schnell alle Zweifel beseitigt – und damit sicherlich auch ein Stück weit den Weg für Kevin und Patrick geebnet. Sie sind seit Juni beziehungsweise September Teil des Teams und haben bisher weder bei den Kolleginnen noch bei den Eltern Skepsis festgestellt. „Wir sehen ja auch, wie Bernhard sich verhält. Es ist gut, mit Bernhard einen erfahrenen männlichen Kollegen zu haben“, sagt Kevin.

Männliche Fachkräfte in Kitas

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Stand August 2015) beträgt der Anteil von männlichen pädagogischen Fachkräften in Kitas bundesweit 2,4%. 10.745 von 362.215 Stellen waren mit Männern besetzt. Niedersachsen liegt mit 2,8% leicht über dem Durchschnitt, hier gab es 876 Männer (bei 30.362 Stellen).

Als „Männerberufe“ können etwa Fleischer (95,86% Männer in der Ausbildung), Fachkraft für Lagerlogistik (89,49%) oder Bäcker (80,39%) bezeichnet werden. Das Mindestgehalt eines Erziehers liegt laut einer Tabelle der Arbeitsagentur aber über dem dieser „Männerberufe“.

Die Notwendigkeit der Steigerung des Anteils männlicher pädagogischer Fachkräfte wird in der Regel damit begründet, dass

- männliche pädagogische Fachkräfte einen familiären Mangel an männlichen Bezugspersonen abfedern
- es sich nachteilig auf das Bindungs-, Aggressions- und Gewaltverhalten sowie auf die Bildungschancen von Jungen auswirkt, wenn ihnen männliche Bezugspersonen fehlen
- männliche Erzieher Spiele- und Beziehungsangebote in Kindertagesstätten erweitern
- eine Erhöhung des Männeranteils im Berufsfeld Kindertagesstätte zur Erweiterung des Berufswahlspektrums und der Handlungsspielräume von Männern beitragen kann 

Quelle: bmfsfj.de

 

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