Kartons statt Klötze, Papierrollen statt Puppen und Stoffreste statt Spielzeugautos: In der Krippe Charly’s Kinderparadies in Lintorf ist im März wieder spielzeugfreie Zeit angesagt. „Ziel dieser Wochen ist es, die Kinder vom Konsumspielzeug abzulenken, ihre Kreativität zu fördern und noch mehr in die Kommunikation zu gehen“, erklärt Leiterin Julia Haverkamp. Was sie damit meint? „Für das eine Kind ist die Toilettenpapierrolle ein Auto, für das andere ein Fernglas.“

Das Spielzeug verschwindet aber nicht von jetzt auf gleich. Die Handpuppen Frieda und Tommy nehmen es mit in den Urlaub. „Wir bereiten die Kinder langsam darauf vor. Wir zeigen ihnen zum Beispiel Fotos des Urlaubsortes oder alte Postkarten der beiden“, sagt die Leiterin. Und die Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren helfen dabei, das Spielzeug in den Koffern zu verstauen. Frieda und Tommy reisen im Februar übrigens immer in die Sonne, denn kurz vor Weihnachten fahren sie in den Skiurlaub, und dann ziehen vorübergehend Willi Wichtel und Leo Lausemaus ein.

Spielzeugfreie Zeit
Das Spielzeug aus den Gruppen wurde im Koffer verstaut.

Die Konzeption der Krippe sieht die spielzeugfreie Zeit jedes Jahr vor. Für die Fachkräfte ist es jedes Mal ein Erlebnis: „Wir finden es immer wieder cool, weil du nie weißt, wie die Kinder darauf reagieren und auf welche Ideen sie kommen.“ Mitte Februar erklärt das Team den Familien, welche Vorteile diese Wochen haben.

Eltern dürfen gerne Materialien in einer Sammelkiste abgeben. „Wir nutzen Kartons, Stoffreste, Papierrollen, Naturmaterialien und vieles mehr“, zählt Julia Haverkamp auf. Im Schlafraum werden Zeitschriften anstatt Bücher angeschaut und vorgelesen. Im Garten fehlen dann zwar Fahrzeuge wie die Bobby Cars. Aber dafür regen Rohre, Autoreifen und leere Joghurteimer die Fantasie an. Die Kinder dürfen natürlich auch in der spielzeugfreien Zeit ein persönliches Kuscheltier oder Schnuffeltuch mitbringen.

Spielzeugfreie Zeit
Die Handpuppen Frieda und Tommy nehmen das Spielzeug mit in den Urlaub.

Wie bei den regulären Spielsachen gibt es auch bei den Alltagsmaterialien schonmal Streit um besondere Sachen. Und da oft Pappe das Material ist, geht auch mal etwas kaputt. Die Ideen gehen dem Team und den Kindern aber nicht aus. „Wir haben einmal ganz viele Pinsel bekommen, daraus wurde ein Kosmetikstudio. Aus großen Kartons möchten wir ein Labyrinth bauen“, sagt die Leiterin.

Hauptsache, Frieda und Tommy verirren sich Anfang April auf ihrer Rückreise nach Lintorf mit dem Spielzeug nicht…

Spielzeugfreie Zeit
Tommy und Frieda verbringen den März in der Sonne.